Von Sevilla bis Portugal

Nachdem wir ein paar Tage bei Toni in Conil de la Frontera waren, er noch unser Reiseleiter bei unserer ersten Fahrradtour war, sind wir wieder langsam weitergefahren. (Andy hasst es die Fahrräder runter- und rauf zu machen. ) Toni hat uns noch mit Gemüse aus seinem Garten und frischen Eiern von seinen Hühnern versorgt.

 

Wir sind dann weiter die Küste entlang. Waren zwischendurch mal in einem riesigen Sportgeschäft (Decathlon) shoppen. Wir haben blöderweise Lucas Turnschuhe vergessen. Übrigens bisher das einzigste das wir nicht mitgenommen haben, ach ja, und einen Rührbesen. Alles einfach ersetzbar. Zwischendurch kaufen wir nur ab und zu Sachen um das Wohnmobil zu verbessern. Dafür gibt es hier so tolle Chinesenläden. Da gibt es alles. Die sind meistens riesig, man wird von den Sachen wortwörtlich erschlagen und es stinkt nach Plastik. Wenn man sich da was zum anziehen kauft, bekommt man wahrscheinlich Ausschlag.

Nun aber weiter hier. Wir sind Stück für Stück bis nach Sevilla gegondelt. Was für eine tolle Stadt. Erstmal ins Touribüro und eine Stadtkarte geholt und dann sind wir durch die Stadt gelaufen. Der Doppeldeckerbus, der die Sehenswürdigkeiten abfährt, war uns dann doch zu teuer. In der Stadt ist so viel Leben und Energie. Stadt des Flamencos. Junge Männer gehen mit Gitarre und singend durch die Straßen und an jeder Ecke gibt es kleine schnucklige Restaurants und Cafés. Hier war Tapas essen natürlich Pflicht. Sehr lecker war’s.

Aber bei unserem Glück war genau an dem Tag irgendein Hinspiel zur Champions League zwischen Manchester United und Sevilla. Die Stadt war also auch an manchen Ecken voll mit gröhlenden, besoffenen Fußballfans und ganz viel Polizei. Polizei auf alle Arten: beritten, auf Rollern, zu Fuß, in Autos, mit Hubschraubern… Volles Programm. Wir hatten ein bisschen Angst vor der Nacht, Da wir relativ nah, auf einem bewachten Parkplatz, am Stadion standen. Aber es war ganz lustig von weitem die Stadiongesänge und sogar die Pfeife vom Schiri zu hören. Ansonsten bekamen wir außer den fahrenden Krankenwagen und dem Hubschrauber nicht mehr viel mit. Das Spiel endete übrigens dann 0:0.

Am nächsten Tag taten uns allen die Füße weh und die Begeisterung der Kinder nochmal in die Stadt zu laufen hielt sich sehr in Grenzen. Also fuhren wir wieder weiter Richtung Landesinneres. Hier schauten wir eine alte Römersiedlung mit Amphitheater an. Eigentlich unglaublich was da noch alles erhalten ist, vor allem die Mosaik. Wir haben uns vorgestellt was in dem Amphitheater schon alles passiert ist, Die Mauern könnten wahrscheinlich die besten Geschichten erzählen. Ich habe dabei an den berühmten Spruch von Juvenal gedacht „Panem et circenses“, Brot und Spiele. Ist es heute anders? Solange die Menschen zu essen und Unterhaltung haben wird es keine Aufstände geben. 2000 Jahre später läuft es noch fast genauso ab.

 

Weiter durchs Landesinnere haben wir uns nach Aracena aufgemacht um dort eine Tropfsteinhöhle zu besichtigen die sich genau mitten unter dem Ort befindet. Leider durfte man in der Höhle keine Bilder machen. Eine tolle Höhle mit Seen, deren Wasser glasklar ist. Dazu gab es einen Kopfhörer um die Führung auch in Deutsch anzuhören. Die nette Dame an der Kasse hat sich riesig darüber gefreut dass wir die Tickets auf spanisch bestellt haben. Das ist zwar noch sehr bescheiden, aber die Spanier freuen sich über jeden Versuch den man in ihrer Sprache macht und helfen einem auch immer gerne weiter.

Nach einer kalten Nacht an einem Stausee (laut google maps standen wir im See, da der auch mal wieder wenig Wasser hat), sind wir wieder ans Meer und haben zwei schöne Nächte auf einem Parkplatz an den Dünen kurz vor der portugiesischen Grenze verbracht. Riesensandburg bauen, Drohne fliegen, im Sand einbuddeln… wenn hier campen nicht verboten wäre, dann wären wir noch geblieben. In der Vorsaison wird es meist noch geduldet trotzdem zu parken, aber man kann auch Pech haben und bekommt dann ein Ticket mit schnell mal über 200 € Strafe. Aber wir hatten Glück.

Am Montag, 26.02. haben wir dann die Grenze zu Portugal überschritten. Es war sehr ergreifend mit „Sweet Child O mine“ in der Soundtrackversion von Captain Fantastic im Hintergrund. Das Land ist für uns besonders, da wir 2005 schon unsere Hochzeitsreise mit einem alten Eura Wohnmobil hier verbringen wollten. Manchmal kommt es halt anders und es sollte damals nicht sein. Jetzt, fast 13 Jahre später haben wir dafür zwei Kinder dabei und alle Zeit der Welt. ♥

Die ehrfürchtige Grenzüberfahrt konnten wir gleich zweimal machen, da ich Andy den falschen Weg gesagt habe und wir blöderweise gleich wieder zurück nach Spanien sind. Na ja, mal wieder doppelt Maut bezahlt, dafür aber auch viel gelacht.

Nun stehen wir hier in Portugal und können es noch nicht so richtig genießen, weil sie für die nächsten Tage Regen und Sturm vorhergesagt haben. Jetzt stehen wir hier mal vorsichtshalber auf einem offiziellen Stellplatz. Nicht so ganz dass was wir uns vorgestellt haben, aber fürs erste OK. Wir haben hier Wasser, Strom, Entsorgung und dank unserer portugiesischen Sim-Karte für 1 € pro Tag unbegrenztes Internet. Das schlechte Wetter kann also kommen, wir sind vorbereitet. Übrigens glaub ich auch nicht dass wir uns bei schlechtem Wetter auf den Sack gehen. Wir haben quasi 6 Zimmer hier. Im Moment liegen die Kinder jeder in einem Etagenbett, Andy ist in seinem Wintergarten auf dem Beifahrersitz und ich sitze an der Sitzgruppe. Ich sehe keinen von den drei. Wir hätten dann noch den Alkoven und das Bad. Man kann sich also auch auf engstem Raum aus dem Weg gehen wenn man will.

 

Conil de la Frontera

 

Chipiona

 

Sevilla

 

Ausgrabungsstätte Italica

 

Gruta de las Maravillas Aracena

 

Am oder im Stausee

 

Isla Cristina

 

 

Portugal

Impressionen unterwegs

 

Überreste vom Waldbrand 2017 im Nationalpark Doñana

 

 

2 Comments

  • Ursula

    27. Februar 2018 at 21:03

    Oooh tolle Fotos! Ist das am Meer ein riesiges Sandmandala? Und Eure Sandburg sieht auch toll aus, da möchte ich am liebsten für einen halben Tag mit Euch tauschen… 🙂

    Über was ich heute nachgedacht habe: Euer Wohnmobil ist ja quasi alles in einem: Fahrzeug, Haus, eure gesamtes Hab- und Gut sozusagen….habt ihr da eigentlich vorgesorgt, falls da irgendwas passiert? Wenn es kaputt geht, z.B.? Unter Umständen ist dann ja nicht nur das Fahrzeug weg, sondern ihr steht ja erst mal quasi auf der Straße….gibt es da Versicherungen? Oder muss man da selber Rücklagen bilden? Das kann ja finanziell ganz schön reinhauen…sowohl eine Reparatur als auch eventuelle Hotelübernachtungen….

    LG
    Ursula

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    • freiundweg

      27. Februar 2018 at 21:48

      Hallo Ursula,
      ja das ist ein Sandmandala von einem holländischen Künstler.
      Und zu Deinen Fragen, unser Womo ist Vollkasko versichert, das deckt ja schon viel ab. Außerdem haben wir noch die ADAC plus Mitgliedschaft. Natürlich kann immer mal was sein und ein paar Rücklagen können nicht schaden. Und wenn alle Stricke reißen haben wir eine Familie die hinter uns steht und ganz viele gute Freunde, die auch noch da sind wenn wir Hilfe brauchen würden.
      Liebe Grüße aus Portugal
      Nathalie

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