Typisch Griechenland?!

Je länger wir reisen, um so schreibfauler werde ich irgendwie und dieses Mal kamen noch einige technische Probleme dazu. Dabei sehen und erleben wir hier jeden Tag so viele tolle Sachen. Im Moment liege ich in unserem Bett im Alkoven und höre den Regen aufs Dach prasseln. Auch hier ist der „Winter“ jetzt angekommen. Vor einer Woche waren wir noch baden, aber jetzt sind die Temperaturen ein bisschen runter und es regnet jetzt auch nach einiger Zeit mal wieder.

Wir sind tagsüber immer noch meist mit T-Shirt unterwegs und werden oft von Griechen gefragt, ob es uns nicht friert? Für den Griechen ist jetzt Dezember, also Winter, und da zieht man die dicke Daunenjacke, Schal, Mütze und Handschuhe an. Ganz egal ob es mittags 25 oder 10 Grad sind. Und wenn sie dann sehen dass wir noch ins Meer zum Baden gehen, dann sind sie vollkommen davon überzeugt dass wir nur verrückte Touristen sein können. Der normale Grieche badet nämlich, nach Aussage von einem im Dezember schwimmenden Griechen, nur im August, weil da ja Sommer ist. Das können wir leider nicht überprüfen, aber seit wir Anfang Oktober hier angekommen sind haben wir wenige Einheimische beim Baden angetroffen.  Aber so sind halt ihre Gewohnheiten. Dann erzähl ich Euch noch ein bisschen mehr über griechische Gewohnheiten. Die öffentlichen Cafés sind zu jeder Tageszeit gut besucht. Viele Griechen haben keine, oder Saisonarbeit, verkriechen sich dann aber nicht zu Hause, sondern treffen sich mit anderen. Das Lieblingetränk, von gefühlt allen, ist der Frappé. Kalter Kaffee mit Eiswürfeln, den ein Grieche erfunden hat. Den trinken sie auch jetzt noch im Dezember, und das überall. Leider sieht man auch überall dann die Plastikbecher rumliegen. Müll und Straßenhunde sind allgegenwärtig, aber das hatten wir ja schonmal. Was auch noch zu erwähnen ist sind die Straßen, es gibt viele Schlaglöcher, wie in anderen Ländern auch und durch die Dörfer und Städte sind die Straßen meistens recht breit, ABER, die Griechen parken überall. Erste, zweite und wenn es sein muß noch dritte Reihe, auf Zebrastreifen, in Kreisverkehren, Kurven, oft sogar beidseitig,  ganze Fahrspuren werden zugeparkt. Das kann dann mit dem Womo sehr eng werden, aber sie fahren dann auch ohne sich aufzuregen mal rückwärts, oder warten wenn enger wird. Sie sind oft wilde Fahrer, aber Andy hat sich schon gut angepasst und fühlt sich hier wohl beim Fahren. Was ich hier allerdings absolut nicht verstehen kann sind die meisten Roller- und Motorradfahrer. Die fahren fast alle ohne Helm. Manchmal haben sie den Helm am Arm hängen oder auf dem Gepäckträger, aber die wenigsten tragen einen auf dem Kopf. Sogar mit dem Motorrad. Unverständlich wenn man darüber nachdenkt wie schnell dabei etwas passieren kann. 

Aber das wohl wichtigste der Griechen: ihre Freundlichkeit. Sie sind so offen, gastfreundlich und unvoreingenommen. Da wird man mal morgens um halb elf zum Schnaps eingeladen, vom Aufpasser einer kostenlosen Burg. Und Wasser durften wir auch noch füllen. Oder bekommt eine große Tüte mit ungespritzten Mandarinen, Orangen, Grapefruit und Zitronen geschenkt. Ach nein, das waren ja Deutsche die seit Jahren hier wohnen. In dem Fall färbt die gute Laune und Freundlichkeit wohl auch ab. Sie wirken einfach zufrieden, auch wenn sie nicht viel haben. Wir fühlen uns auf jeden Fall pudelwohl hier und genießen unsere Zeit hier. Außerdem haben wir auch wieder viel erlebt und gesehen:

Wir haben uns das süße Hafenstädtchen Nafplio angeschaut. Bisher auf jeden Fall eins der schönsten kleinen Städte hier in Griechenland. Kleine, enge Gassen die sich durch die Altstadt schlängeln mit wunderschönen alten Häusern, hunderten Balkone und tollen Türen. Wir haben endlich leckeres Gyros gegessen und eine der besten Eiskugeln überhaupt. Hier lohnt es sich auf jeden Fall mal Halt zu machen.

Dimitrios das Schiffswrack. Seit 1981 liegt es hier in der Bucht und rostet vor sich hin. Lange wird es wohl nicht mehr in dieser Form hier sein, da es in einem wirklich schlechten Zustand ist. Laut Gerüchten war es ein Schmuggelschiff für Zigaretten zwischen Italien und der Türkei und wurde dann damals angezündet um alle Beweise zu vernichten. Ob es wirklich so war werden wir wohl nicht mehr erfahren. 

Mit unseren österreichischen Reisefreunden, die wir zufällig wieder getroffen haben, sind wir auf Schnorcheltour gegangen. Gegenüber der kleinen Insel Elafonisos ist eine vor ca. 3000 Jahren versunkene Stadt. Unter Wasser konnte man noch die Überreste von ein paar Grundmauern erkennen und am Strand war auch noch einiges zu entdecken. Anscheinend soll es die älteste versunkene Stadt der Welt sein. Und der Rest von dem Strand ist perfekt geeignet um Drachen steigen zu lassen oder den traumhaften Sonnenuntergang zu beobachten bei einem Gläschen Wein oder Ouzo.

Am Dinosauriereierstrand (heißt so wegen der großen, runden, weißen Steinen) haben wir die Höhlen von Diros besichtigt. Man fährt mit einem kleinen Boot durch die unterirdischen Tropfsteinhöhlen. Insgesamt über 15 km ist die Höhle lang, aber man sieht nur einen kleinen Teil davon. In vielen Ländern ist bei solchen Höhlen fotografieren nicht erlaubt. Hier in Griechenland darf man sogar mit Blitz. Und der nette Herr der uns schnell durch die Höhlen lenkte hat sich mit seinem Stocker des öfteren an der Decke abgestoßen. Hier läuft einfach alles ein bisschen anders, entspannter.

Der dritte Finger der Peloponnes nennt man Mani und ist für uns einer der schönsten. Mani hat einen ganz eigenen Baustil mit schönen Steinhäusern, die oft eine kleine Grundfläche haben, aber dafür mehrstöckig nach oben gehen. Man findet hier fast keine „normalen“ Häuser und der ganze Finger ist sehr dünn besiedelt. Es gibt ganze Dörfer aus Steinhäusern, die fast unbewohnt sind. Eins davon haben wir uns angeschaut: Vathia. Im ganzen alten Dorfkern sind nur noch zwei Häuser bewohnt, der Rest ist am zerfallen. Schwer vorstellbar in so einem Geisterdorf zu wohnen. 

Als schlechtes Wetter vorhergesagt wurde, und wir unbedingt mal wieder Wäsche waschen mussten, haben wir uns über Airbnb in so ein schönes, altes Steinhaus für zwei Tage eingemietet. Was für eine Umstellung für uns alle wieder in einem richtigen Haus zu schlafen. Die Kinder sind erst mal, wie irre, durch die Räume gesprungen und haben Fange und Verstecke gespielt. Es gab sogar deutsches Fernsehprogramm. Nach zwei Nächten, fünf großen Waschmaschinen- und Trocknerladungen und einigen Fernsehstunden sind wir gerne wieder zurück ins Womo. Es war mal wieder ganz nett in einem normalen Bett zu schlafen, aber eigentlich waren wir alle froh wieder umzuziehen. Was das Wäsche waschen angeht, hier in Griechenland gibt es kaum Waschsalons und waschen kann man eigentlich nur auf Campingplätzen. Allerdings gibt es dort im Normalfall keine Trockner und das ist schlecht wenn wir unsere Bettwäsche waschen wollen. Deshalb war das jetzt ganz praktisch und wir haben das Häuschen wirklich ausgewählt, weil es dort auch einen Trockner gab. 

In Methoni, einer kleinen Stadt auf dem vierten Finger, haben wir uns das Fort angeschaut. Wir haben für uns alle bemerkenswerte 2 Euro Eintritt bezahlt. Übrigens waren wir die einzigsten Besucher und dafür sitzt mindestens eine Person den ganzen Tag beim Kassieren. Die Frage ob sich das lohnt stellt sich hier in Griechenland, glaube ich, trotzdem keiner. Eine Person hat Arbeit und dann passt das. Auf jeden Fall war es jeden Cent wert und total interessant durch das Fort zu laufen und sogar in die unterirdischen Gänge konnte man rein.

Was ist noch Pflicht in Griechenland? Natürlich Olympia. Die Stätte wo die olympischen Spiele herkommen und wo in der Antike der Austragungsort der ersten Spiele war. Seit 1936, zur Olympiade in Berlin,  wird hier jedesmal wieder das olympische Feuer entzündet. Hier stehen noch die Überreste vom Tempel der Hera und vom Tempel des Zeus. Man sieht die Arena, wo früher die Olympioniken ihre Wettkämpfe ausgetragen haben und wo sie trainiert haben. Beim Wintereintrittspreis von 6 € für Erwachsene (Kinder sind frei), sind auch zwei Museen mit dabei. Eins haben wir uns angeschaut, das zweite war leider geschlossen, warum auch immer. Ich finde es immer wieder spannend an solch geschichtsträchtigen Orten zu stehen.

In Kourouta haben wir uns wieder mit der Travelfamily getroffen. Das letzte Mal haben wir ein paar Tage zusammen in Schweden verbracht und hier in Griechenland haben wir uns wieder verabredet. Es ist schön sich mit gleichgesinnten auszutauschen. Wir haben ein paar Tage zusammen mit ihnen und mit andre-anderswo.de am Strand verbracht. Sogar unsere Österreicher sind nochmal dazugestoßen. Viel gespielt, viel gelacht, zusammen am Lagerfeuer gesessen. Die Kinder hatten Spaß beim Tipi bauen und in ein paar Wochen treffen wir sie hoffentlich noch einmal.

Teichos Dymaion, eine alte Burg über einem Naturschutzgebiet. Kostenloser Eintritt und ganz schön anzuschauen. Außerdem haben wir von dem netten Aufseher gleich noch einen Schnaps und Frischwasser fürs Wohnmobil bekommen. Einfach nett diese Griechen.

Patras, die Stadt mit dem Fährhafen und der schönen Brücke. Hier waren wir mal shoppen. Die Kinder haben unbedingt neue T-Shirts und neue Hosen gebraucht. Die wachsen einfach zu schnell. Viel brauchen wir ja nicht mehr, aber ab und zu müssen auch wir neue Klamotten kaufen gehen. Und in Patras gibt’s einen Waschsalon. Also gleich ausgenutzt und eine Waschmaschine voll geladen. Ansonsten machen wir hier alles über Handwäsche. Das klappt ganz gut, aber zwischendurch ist man dann über eine Waschmaschine froh.

Wir sind mit der Zahnradbahn von Diakopto nach Kalavrita gefahren. Eine der ältesten der Welt und auf jeden Fall eine mit spektakulären Aussichten. Man fährt durch eine Schlucht mit tollem Blick auf die Felsen und die Natur. Eine Stunde Fahrt bis man in dem kleinen Skidorf Kalavrita ankommt. Ein süßes Dörfchen mit einer schweren Vergangenheit. Im Dezember 1943, während des zweiten Weltkriegs,  wurden hier alle Männer und über 13-jährigen Jungs hingerichtet. Fabio, mein 14-jähriger Sohn, hat mich gefragt warum Menschen so etwas machen? Ich glaube diese Frage kann man nicht wirklich beantworten. Wir sollten nur alle versuchen, es in unserem Leben besser zu machen. Wenn man in dem Museum steht und all die Gesichter der Männer und Jugendlichen sieht wird einem ganz anders und man fragt sich wirklich warum so etwas auf der Welt geschieht. Wir haben vorher noch nie von dem Dorf Kalavrita gehört, aber wir werden dieses Museum und deren Geschichte sicher nie mehr vergessen.

Und jetzt noch was schönes zum Schluß: Meine Eltern sind mit ihrem Wohnmobil zu uns nach Griechenland gekommen. Unsere Jungs konnten es fast nicht mehr erwarten bis Oma und Opa endlich da waren und genießen die Zeit mit ihnen. Die nächsten Wochen werden wir jetzt gemeinsam weiterreisen und auch die Feiertage gemeinsam verbringen. Weihnachten mit Familie ist einfach weihnachtlicher und wir freuen uns auf die gemeinsame Zeit.  

Impressionen

2 Comments

  • Andrea

    13. Dezember 2018 at 19:22

    Hallo ihr Lieben,
    für dass, das du dich als schreibfaul bezeichnest, hast du sehr ausführlich geschrieben. Spannende Orte und tolle Impressionen. Geniesst die Zeit und grüsst alle von uns. Gruss aus der momentan aufgeblähten Schweiz.

    Antworten

Schreibe einen Kommentar