Ehrliches Fazit nach drei Monaten

Hmmmm…. wo fange ich da jetzt an?! Als allererstes sollte so eine Reise niemand mit seinem Partner machen, wo es nicht absolut passt. Man kommt oft an seine Grenzen und auch der Reisekoller sucht uns manchmal Heim. Andy und ich haben auch zu Hause ab und zu mal richtig gestritten. Kurz, intensiv, laut und emotional. Wir haben es aber fast immer geschafft uns schnell wieder zu versöhnen. Und unterwegs? Anfangs hat alles sehr gut geklappt und wir hatten uns nur in normalen Abständen in den Haaren. Meistens weil wir uns über Andys Fahrweise uneinig waren. Er hat es auch schon geschafft mitten auf der (Land)straße anzuhalten und ich musste dann weiterfahren. Nachdem er dann meinen Navigationsjob als Beifahrer übernehmen musste, ist er gerne wieder weitergefahren.

Seit wir hier in Portugal so viel Regen haben, gibt es auch öfters Stress. Aber nun kommt mal was positives: Wir reden viel mehr darüber was einen stört und wir versuchen dann auch gemeinsam es für beide passend zu machen. Wenn eine Beziehung vom Grunde auf intakt ist, dann wächst man mit so einer Reise. Ist das Gegenteil der Fall, dann wird man sich früher oder später trennen.

Ja, es ist nicht alles Friede, Freude, Sonnenschein und Sandstrand, auch nicht mit den Kids. Aber davon sind wir auch nicht ausgegangen. Wir haben hier unterwegs genauso, oder sagen wir eher mehr Probleme als zu Hause. Aber wir sind fast 24 Stunden auf engstem Raum zusammen. Wir haben somit viel mehr Reibungspunkte als wir zu Hause hatten, wo man sich nur ein paar Stunden am Tag gesehen hat.

An manchen Tagen findet man keinen Stellplatz, oder ist sich uneinig darüber ob ein Platz gut genug ist. Der tägliche Kampf über die Handyzeit der Kids ist sehr anstrengend. Man hat nicht jeden Tag irgendwelche tollen Sachen zu besichtigen. Manchmal ist es auch einfach langweilig….

…aber, ich habe trotz allen Schwierigkeiten noch keine Sekunde bereut diesen Weg zu gehen. Mir fehlt kein Haus und das ganze Materielle das wir jetzt nicht mehr haben. Wir überlegen genau was wir kaufen und was wir brauchen. Mir fehlt nicht einmal der Platz unseres alten Hauses. Wir werden auch in Zukunft nie wieder ein großes Haus haben. Was aber natürlich fehlt sind unsere Nachbarn, unsere Freunde und die Familie. ♥

 

Früher waren wir oft Essen. Ich dachte es wird uns schwer fallen das aufs Minimum zu reduzieren. Aber nein, es ist so einfach. Jetzt ist es eher immer fast eine Überwindung mal wieder in ein Restaurant zu gehen. Wir brauchen es nicht mehr. Wir haben genügend Zeit frisch zu kochen und es macht uns Spaß. Nervige Aufgaben sind nicht mehr so schlimm, weil wir einfach Zeit haben. Zeit auch für Dinge die aus unserer Sicht nicht so wichtig sind und die vorher oft zu kurz gekommen sind. Zeit stundenlang mit den Kindern eine Sandburg zu bauen. Zeit aus mühsam gesammelten Muscheln unseren Schriftzug zu legen. (Wenn wir gewusst hätten dass wir noch an Strände kommen wo es unendlich viele Muscheln gibt, hätten wir noch gewartet ) Zeit für die 15. Rummyrunde, auch wenn man schon lange keinen Bock mehr drauf hat (weil die Kinder meistens gewinnen).

Zeit ist endlich, also nutzt sie!

 

Und was unseren Blog angeht sind wir froh diesen gemacht zu haben. Wir haben schon einige nette Leute dadurch kennengelernt und es öffnen sich schon neue Türen. Aber das wichtigste dabei, wir bekommen Rückmeldungen von allen möglichen Leuten, dass sie beginnen ihr eigenes Leben zu verändern und zu überdenken. Es müssen keine großen Schritte sein. Es reicht schon wenn man beim Einkaufen anfängt zu überlegen ob man dies oder jenes wirklich braucht, oder anfängt den zugemüllten Kellerraum aufzuräumen. Mehr Zeit mit seiner Familie verbringt und vielleicht mal ein paar Überstunden weniger macht. Falls ihr bei Euch Veränderungen feststellt, freuen wir uns natürlich darüber zu lesen. Gerne auch per Email an Familie@freiundweg.de

 

Andys Fazit (kurzundbündig):

Nathalie überträgt ihre miese Laune zwar immer auf alle anderen, aber ich würde es trotzdem immer wieder machen.   (Andy übertreibt maßlos )

 

Und was sagen die Kids? Zitat:

„Cool, keine Schule, manchmal langweilig und die Freunde fehlen.“

 

Unser Fazit also: Alles richtig gemacht und hätten wir das nicht durchgezogen, dann würden wir uns in vielen Jahren noch fragen was gewesen wäre wenn wir es gemacht hätten. Wir bereuen später hauptsächlich die Dinge die wir nicht gemacht haben.

4 Comments

  • Toby

    4. April 2018 at 05:55

    Tolle Worte in ein Schriftbild gestellt und es entstehen warme, sehnsüchtige Bilder!!! vielen Dank euch weiterhin begleiten zu dürfen, und gefühlt ein Teil davon zu sein!!!!! Die Zeit ist unersetz und wir füllen Momente, Augenblicke und unserer Erinnerungen!!! Passt auf euch auf, und auf Andy -:)

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    • freiundweg

      4. April 2018 at 07:47

      Lieber Toby,
      Es ist schön,dass ihr mitreist. So sind wir doch nicht ganz so weit weg. Und keine Angst, auf Andy achten wir ganz besonders.
      Grüße an alle
      Nathalie und ihre schlafenden Männer.

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  • Alexandra & Maik

    18. April 2018 at 08:21

    Hallo, wir haben eure ehrlichen Worte mit großem Interesse gelesen. Natürlich suchen wir authentische Berichte, um uns besser auf unseren Ausstieg vorzubereiten. Wir wünschen euch alles erdenklich Gute auf eurer Reise, Frieden, Liebe und das Gefühl zusammenzugehören. Postet mal wieder etwas. Wir sind dabei.
    Alex&Maik
    ArschbombeInsLeben
    PS. Auch wenn eure Kids noch nicht ermessen können welches Geschenk ihr ihnen mit dieser Reise macht, werden sie es euch irgendwann Danken! Darvon sind wir überzeugt!

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