Komisches Gefühl im Paradies

Wir waren ein paar Tagen auf einem Parkplatz in einer kleinen Bucht hinter Tarifa hängengeblieben. Hier sind viele Kite- und Windsurfer und wir haben einige nette Leute kennengelernt. (Liebe Schweizer, Wir warten noch auf euren Gastbeitrag zu Gibraltar )

Wenn man die Küste in Spanien entlang fährt, dann denkt man sich oft: Wie kann man das genehmigen am Meer. Die Küste war die letzten paar 100 km mit Hochhäusern und ähnlichem zugepflastert. Die bekannte Stadt Marbella war vor 30 Jahren vielleicht mal schön, jetzt sieht man beim durchfahren kaum das Meer. Hier war vermutlich das Motto: Wer viel Geld hat, darf alles machen.

Nette Plätzchen zum übernachten haben wir aber trotzdem immer gefunden. Wir sind die Küste entlang gegondelt, haben einen Abstecher in die Stadt Ronda im Landesinneren gemacht. Hier war’s mal wieder ein paar Grad kälter und wir haben unsere Winterjacken rausgeholt. Ronda ist durch eine große Schlucht getrennt und wird durch drei Brücken miteinander verbunden. Wir hatten einen grandiosen Ausblick und im Hintergrund haben Straßenmusiker ihr Geld verdient. Es war sehr beeindruckend.

Am Morgen hatten wir Eis auf den Scheiben…also schnell wieder an die Küste. Unser Weg führte uns Richtung Gibraltar. Wir haben lange überlegt ob wir rüber sollen in die englische „Kolonie“. Wir haben einige Kilometer außerhalb ein paar Tage mit Blick auf den Fels von Gibraltar verbracht und uns letztendlich dagegen entschieden. Einen Tag lang haben wir beobachtet wie ein Kriegsschiff vor Gibraltar hin und her fuhr. Wir wissen leider nicht ob es ein spanisches oder eins der Royal Navy von Großbritannien war. Wir haben uns viele Gedanken darüber gemacht was die Engländer hier am untersten Zipfel von Spanien zu suchen haben. Es gibt deswegen auch immer wieder Ärger zwischen Spanien und Great Britain. Nach Gibraltar rein gibt es einen großen Grenzübergang, bezahlt wird dort mit Pfund und sie haben eigene Kennzeichen. In La Linea de Conception, ein Städtchen direkt an der Grenze, waren wir einkaufen. Wir haben uns das erste Mal nicht so richtig wohl gefühlt. Die Leute waren anders und die Mauern waren gespickt mit Glasscherben, damit keiner darüber klettern kann. Schlimm wenn man so etwas braucht.

Hier fühlten wir uns nicht mehr wohl, also schnell weiter die Küste entlang. Und plötzlich ist da wieder Natur, alles ist grün und am Meer stehen keine Hochhäuser mehr. Wir sind dann bis nach Tarifa, haben dort mal wieder Wäsche gewaschen an einer Tankstelle und noch schnell im Lidl eingekauft. Danach haben wir hier unser Plätzchen am Strand gefunden wo uns so gefällt. Ein kleines Paradies mit weißem Sand und einer schönen Düne. Beim Strand erkunden haben wir schon 6 Boote an einem Küstenabschnitt von etwa 2 km gefunden. Beim ersten denkt man sich noch nicht viel, aber beim nächsten fängst dann an zu überlegen: Wir sind an der Meeresenge zu Afrika. Zwischen hier und Afrika sind es ungefähr 15 km. Da kann man schon fast rüberschwimmen. Als wir gestern spazieren gelaufen sind fanden wir ein Schlauchboot das zwar kaputt, aber noch nicht voller Sand war. Keine Minute später kam die Guardia Civil (das ist ungefähr wie bei uns die Bundespolizei) und ein Hubschrauber kreiste über uns. Vermutlich sind in der Nacht Flüchtlinge rübergekommen. Es war eine ruhige Nacht mit wenig Wind und Wellen, aber auch hier richtig kalt. Temperaturen nachts von 6 Grad sind normal. Man merkt dass wir schon am Atlantik sind.

Aber wie muss es einem Mensch gehen der sowas auf sich nimmt? Wo er nicht weiß ob er es überlebt oder nicht. Wenn man hier steht und es direkt mitbekommt macht man sich seine Gedanken. Wäre es nicht besser den Menschen im eigenen Land zu helfen, damit sie solche Schritte gar nicht gehen müssen? Wer weiß wieviele auf dem Weg hierher schon ertrunken sind.

Für uns ist es hier auf jeden Fall jetzt auch komisch. Fabio und Luca haben stundenlang immer in den Dünen gespielt. Aber wer weiß wer sich dort jetzt rumtreibt und wie verzweifelt derjenige ist.

Wir haben das Stückchen Paradies dann verlassen und stehen jetzt bei einer Facebook Bekanntschaft im Hof. Hier ist es sehr geschützt und wir konnten die Sonne genießen und neue nette Leute kennenlernen, während ihr in Deutschland beim Schnee schippen seid.

Morgen werden wir weiter Richtung Portugal fahren. Wir werden sehen wann wir die Grenze überschreiten.

 

Übernachtungsplatz wie wir es mögen.

Blick aus dem Schlafzimmerfenster

Ronda

Der Fels von Gibraltar

Unser kleines Paradies…

…mit Beigeschmack

Conil de la Frontera

 

 

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